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Re: Netikettenassistent
  • From: cschult@xxxxxx (Christian Schult)
  • Date: Tue May 09 22:01:49 2000
  • Message-id: <20000510000149.A1010@xxxxxxxxxxxx>



Hallo Bernd,

* Bernd Brodesser wrote:

* Christian Schult schrieb am 05.Mai.2000:
* Juergen Schwarting wrote:

Es war in letzter Zeit eigentlich sehr ruhig. Bis auf sehr wenige
Ausnahmen scheinen alle begriffen zu haben, dass Hinweise auf die
Einhaltung der Etikette in die private Mail gehören und nicht auf
die Liste.

Ist eine zweischneidige Sache. Sicherlich hat eine herablassende
Äußerung nichts auf der Liste zu suchen, aber eigentlich auch nicht
auf einer PM. Von einem Hinweiß haben auch andere etwas.

Sicherlich haben davon auch andere etwas, nur was? Ein paar
potenzielle Etikette-Verstoßer erfahren so vielleicht, dass es
auch hier eine (N)etikette gibt und überprüfen ihren Mailreader
und ihren Quoting-Stil etc. Es gibt aber einen, ich vermute weit
größeren, Anteil Teilnehmer hier, die von der suse-linux-Liste
etwas anderes erwarten als Postings zum richtigen Erstellen von
Mails. Für die ist das off topic.

Zudem ist oft das Volumen der Hinweise auf die Etikette-Verstöße
weit größer als das Volumen der Etikette-Verstöße selbst.

Den Verursacher selbst erreiche ich per PM genauso wie über die
Liste. Das Anmahnen von Etikette-Verstößen über die Liste hat aber
mehr negative Aspekte als positive, von daher ist für mich ganz
klar die private Mail der einzige Weg, jemanden ob seines
Etikette-Verstoßes zu kritisieren.

Soviel dazu, ist ja eigentlich nicht das Thema dieses Threads.

Am Besten wäre es natürlich, wenn man bei jedem Etikettenverstoß eine
angepaßte nette Mail an dem "Übeltäter" schickt, mit der Bitte, dies
oder das sein zu lassen.

Da das aber viel Arbeit ist, dachten wir an den Netikettenassistent.
Es soll eine Arbeitserleichterung sein, sonst nichts.

Ich bin mir sicher, dass nur hehre Absichten hinter der Idee
stecken. (Nein, kein Sarkasmus-Smiley)

Was haltet Ihr von dieser Idee ?

Gar nichts! Es läuft doch prima ohne Netikette-Überwachungs-
Programm. Mir kommen bei eurem Vorschlag unweigerlich orwellsche
Assoziationen in den Sinn. Ich befürchte, dass solche
automatischen Mecker-Mails viel Verdruß und Empörung auslösen
werden und dem Ruf der Liste als offenes und hilfsbereites Forum
schaden werden.

Sehe ich auch so, automatische Mecker-Mails bringen sehr viel Verdruß
und schaden der Liste. Daher wollen wir auch keine Mecker-Mails
versenden, sondern nur liebe Hinweise.

Ok, Mecker-Mails war provokativ, letztlich jedoch bleibt auch die
freundlichste negative Kritk immer noch negative Kritik.

Wenn man der Meinung ist, jemanden eine Mail schreiben zu müssen, weil
er die Regeln der Etikette verletzt hat, so sollte man seinen
angestauten Zorn beiseite lassen. Dann sollte man mehr als ein paar
kurze Sätze schreiben. Vor allem sollte man keinen herrischen Ton am
Tag legen und seine Mail überprüfen, ob sie nicht Mißverständlich sein
kann. Das ist aber viel Arbeit. Wenn man sich die jedesmal antut, dann
hat man viel zu tun.

ACK

Was spricht somit dagegen, wenn man sich Texte vorformuliert? Und dann
nur diese vorformulierte Texte versendet? Ist doch eine tolle
Arbeitserleichterung.

Ein nächster Schritt ist es, auch das Absenden zu automatisieren. Ob

Hier sind wir dann beim Programm, dass Mails auf
Netikette-Verstöße kontrolliert. Und genau da, wo nicht mehr ein
Mensch einen anderen Menschen anspricht sondern ein Programm,
beginnen meine Probleme mit der Idee.

1. Solch ein Programm ist unpersönlich und total
Es hat nie schlechte Laune, für die es sich dann später
entschuldigt, es ist nie großzügig und sagt "was soll's, ich
will mal nicht so nickelig sein". Es ist unpersönlich, denn es
kommuniziert nicht mit dem Angeschriebenen. Es serviert ihm die
freundliche Kritik ohne die Möglichkeit einer
Gegenargumentation.

2. Solch ein Programm ist autoritär
Solch ein Programm erweckt den Eindruck, es gäbe eine höhere
Instanz, dessen Unmut man sich zugezogen hat. Es erweckt den
Anschein, als gäbe es eine Autorität, der man zu gehorchen habe.
Es erzeugt so Schuldgefühle und damit einhergehend Trotzreaktionen.

3. Solch ein Programm ist peinlich
Es lässt diejenigen, die dahinter stehen, als kleinliche
Erbsenzähler erscheinen (Ich weiß, das seid ihr nicht!). Es
erweckt den Eindruck, als gäbe es nichts Wichtigeres, als
perfekt verfasste Mails (immerhin dürfte für viele Subscriber
eine Mail vom Etikette-Asistenten mit zu den ersten Mails
gehören, die er von/wegen der Liste bekommt).

4. Es erzeugt bei mir immer noch "orwellsche Assoziationen".
Ich empfinde es als kleinen, unfreiwilligen Baustein zur
Kontrolle des Internets in Zeiten von ECHELON, EuroPol und all
den anderen Aktivitäten verschiedener staatlicher und
wirtschaftlicher Organisationen, auf die elektronische
Kommunikation kontrollierenden Einfluss zu nehmen.
Ganz provokativ: das Filtern von HTML-Mails und das Filtern von
mp3-Dateien, Kinderpornos und Geschäftskorresponenz
unterscheidet sich nur in der Wahl der Mittel, nicht
grundsätzlich in der guten Absicht.

christian


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