Mailinglist Archive: opensuse-de (1185 mails)

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Plan / Strategie (War: Re: Tastatur-Problem nach Update)
  • From: Thomas Hertweck <Thomas.Hertweck@xxxxxx>
  • Date: Sun, 12 Sep 2010 10:38:53 +0100
  • Message-id: <4C8C9FAD.2090102@xxxxxx>

Nachdem ich nach den Diskussionen hier mehr und mehr Emails bekomme, die
alle sagen, "Endlich mal jemand, der die Sachen auf den Punkt bringt, aber
leider wird es nichts aendern", moechte ich die Gelegenheit nutzen,
um mal einen Vorschlag zu machen und die vielleicht etwas festgefahrenen
Diskussionen wieder auf die richtige Bahn zu bringen.

Also zurueck zum Start.

Soweit ich das sehe, wird auf opensuse-project und auf anderen Listen (und
vermutlich gibt es auch noch andere grundlegende Hinweise) immer wieder
darauf hingewiesen, dass openSUSE an Anwendern verloren hat (zumindest
relativ gesehen gegenueber anderen Distributionen) und dass auch
Entwickler lieber explizit andere Distributionen zur Hand nehmen statt
openSUSE. Es wird zudem beklagt, dass es ein Mangel an aktiven Teilnehmern
gibt. Ich glaube, diesen Trend kann man sogar auf dieser Liste sehen, wenn
man sie ueber die letzten Jahre hinweg verfolgt hat (auch wenn es
mittlerweile natuerlich weitaus mehr Wege und nicht mehr nur Mailinglisten
wie frueher gibt, sich zu informieren). Das ist zunaechst einmal nicht so
leicht zu verstehen, zumal es SuSE ja schon sehr lange gibt (15+ Jahre)
und die Distribution gegenueber neueren einen ziemlichen Vorsprung hatte.
Ubuntu und Derivate haben es offensichtlich also geschafft, openSUSE in
relativ kurzer Zeit Marktanteile abzujagen. Kurz zusammengefasst: Es
scheint sowohl bei der openSUSE Distribution wie auch bei der Community
oder dem Projekt selbst nicht alles rund zu laufen (und diese Aussage
stammt nicht direkt von mir). Ich hoffe, wir koennen uns zumindest auf
diesen Startpunkt hier einigen (auch wenn er vielleicht etwas negativ klingt).

Fuer alle, denen openSUSE etwas bedeutet, gilt es also, diese Dinge zu
verbessern.

Um das tun zu koennen, muss man erst einmal herausfinden, warum die
Situation so ist wie sie ist. Das wird man nur tun koennen, wenn man
Kritikern zuhoert und hinausgeht in die grosse weite Welt und die Leute
fragt, die gegangen sind oder erst gar nicht zu openSUSE gekommen sind.
Und dazu kann im Prinzip wirklich jeder auf dieser Liste beitragen. Wir
haben wohl alle Freunde, Bekannte, Kollegen oder kennen Leute, die in
diese Kategorie fallen. Fragt sie doch einfach mal, warum sie Entschluesse
gefasst haben, openSUSE nicht zu nutzen, oder openSUSE zwar nutzen, aber
wenig (oder nichts) aktiv beitragen. Wenn genug Antworten zusammen kommen,
laesst sich daraus vermutlich ein Trend ablesen. Wenn man dann auch noch
umgekehrt Leute befragt, die explizit zu openSUSE gekommen sind und nicht
etwa andere Distros nutzen, wird sich hoffentlich ein recht gutes Bild
ergeben, was Staerken und Schwaechen von openSUSE sind. Im Prinzip muss
man dieses Feedback natuerlich auch in anderen Laendern einholen.

Wenn man also die Gruende weiss, warum die Situation so ist wie sie ist,
kann man einen Plan machen, die Dinge zu verbessern, hier kommt die
Strategie ins Spiel. Es gilt offensichtlich, mehr Leute zu aktiver
Mitarbeit zu bewegen, und man muss es diesen Leuten so einfach wie moglich
machen. Daher kam ja auch mein Vorschlag, Bugzilla ohne Account zu
erlauben. Auf der spanischen Liste wird momentan beklagt, dass manche
Laender gar keinen Zugriff auf Bugzilla haben (wegen US
Embargobestimmungen). Man muss auch die Resourcen, die man zur Verfuegung
hat (und nach Aussagen auf opensuse-project sind die Resourcen recht
beschraenkt), sinnvoll einsetzen, um unter den gegebenen Umstaenden das
optimale Ergebnis zu erzielen. Demokratie funktioniert hier nur bedingt,
jemand muss die Situation verstehen, fuehren und Entscheidungen treffen
und dann muessen wir alle an einem Strang ziehen. Grabenkaempfe innerhalb
der Community z.B. zwischen KDE und GNOME helfen da sicher wenig. Ich
hatte frueher die Hoffnung, das openSUSE Board wuerde genau diese
Fuehrungsaufgabe uebernehmen, aber leider wurde das Board so aufgebaut,
dass es quasi nur ein Kontrollmedium ist. Das openSUSE Projekt hat nicht
wirklich eine Fuehrung, und darunter leidet es meiner Meinung nach.

Was ich nicht mag sind Leute, die Probleme einfach ignorieren oder
schoenreden. Es gibt so viele Hinweise, ob das in blogs ist oder in Foren
oder auf Mailinglisten, dass die Dinge nicht so rund laufen. Es gibt auch
Hinweise, dass Resourcen falsch eingesetzt werden und der Fokus mitunter
falsch gelegt wird. Warum werden auf opensuse-project denn Strategien fuer
die naechsten 5 oder 10 Jahre diskutiert, wenn offensichtlich gar nicht
klar ist, *warum* andere Distributionen SuSE ein wenig den Rang abgelaufen
haben? Es gibt im Geschaeftsleben einen Spruch, der genau hierhin passt:
"Plane nicht fuer die Zukunft bevor Du sicher bist, die Gegenwart zu
ueberleben." Die Strategie fuer die Zukunft kann in einen Plan
einfliessen, wenn man weiss, was genau man verbessern muss. Und wenn man
Anwender verliert, muss man doch erst einmal schauen, dass die Grundlagen
stimmen. Mann kann nicht rennen, bevor man zu laufen gelernt hat, das wird
einfach schief gehen. Momentan habe ich das Gefuehl, das openSUSE Projekt
hat nicht mal laufen gelernt, moechte aber gerade einen Marathon bestreiten.

Wir koennen die Dinge nur zusammen verbessern, wenn wir an einem Strang
ziehen, und wenn wir offen fuer neue Ideen und Vorschlaege sind, auch wenn
sie vielleicht zu Beginn als unrealistisch oder unpraktikabel erscheinen.
Innovation und Fortschritt erfolgt dadurch, dass man auch mal ueber den
Tellerrand hinausschaut und ausserhalb des ueblichen Rahmens denkt.
Vielleicht ist es zeit fuer iLinux ;-) Einige der Feedback Emails, die ich
bekommen habe, sagten explizit, dass die Leute mittlerweile einfach
aufgegeben haben - Bugs wurden gemeldet, aber nichts tat sich. Ideen
wurden eingebracht, aber nichts tat sich. Wiki-Artikel wurden verfasst,
nur um herauszufinden, dass in der naechsten openSUSE Distro dann ein
gewisses Feature wieder durch eine andere Implementierung ersetzt wurde
und der Wiki-Artikel damit hinfaellig war. Und so weiter, und so fort, die
Liste laesst sich lange fortsetzen.

Vielleicht traegt diese Email ja dazu bei, dass solche Leute nicht einfach
leise still und heimlich aufgeben, sondern sich auch mal zu Wort melden
und wir (damit meine ich wirklich alle, denen openSUSE etwas bedeutet)
gemeinsam einen sinnvollen Plan machen, wie es weiter gehen soll. Alles
andere erscheint mir Stueckwerk. Man muss den Trend, Boden gegenueber
Ubuntu und anderen Distributionen zu verlieren, umkehren. Oder es
zumindest versuchen.

Gruesse aus London,
Thomas
--
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