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Re: OT: Urheberrecht (war: Sounds und Videosequenzen aus Browser extrahieren)
  • From: Thomas Schirrmacher <t.schirrmacher@xxxxxxx>
  • Date: Wed, 3 Feb 2010 14:55:47 +0100
  • Message-id: <201002031455.48960.t.schirrmacher@xxxxxxx>
Sehe ich genauso.
Solange man nicht willentlich für einen Laien erkennbar Tauschbörsen aufsucht,
dürfte das private speichern kein Problem darstellen.

Schließlich treibt man damit keinen Handel.

Was ist denn mit clipfish.de, myvideo.de, youtube und dem ganzen Multimedialen
Klumpatsch?
Auf diesen Seiten bekommst alles was anderweitig kommerziell vertrieben wird,
und diese Seiten existieren immer noch.

Hat schon irgendein Abmahnanwalt mal hinterfragt, ob derjenige der das alles
zu diesen Diensten rauflädt, Rechte zur Veröffentlichung hat und dafür Kohle
abdrückt?

Wir zahlen Rundfunkgebühren für jeden PC; der muß noch nicht mal am Internet
angeschlossen sein. Es reicht aus, dass er die Funktion besitzt, öffentlich
rechtliche Medienangebote abspielen zu können.

Wir zahlen für jeden Brenner und jedem Abspielgerät beim Kauf Gebühren.

Es kann bei mir einmal ein sogenannter Abmahnanwalt den Versuch unternehmen,
bei mir was holen zu wollen.
Dann garantiere ich, dass einen Tag später dem seine Bude brennt.

Thomas





Am Mittwoch 03 Februar 2010 14:36:13 schrieb Thomas Michalka:

Jetzt mal im Ernst, denn Du sprichst hier natürlich eine ernste Sache an:
Wenn ich einen Sound aus irgendeinem Javascript oder aus welcher Quelle
auch immer auf dem PC höre, alleine schon weil ich im Browser eine Seite
aufrufe, dann ist es wohl genau das, was der Veröffentlicher der Seite
haben will. Sollte dieser illegal einen Sound auf diese Weise
vertreiben, dann kann man mir als Benutzer, der nur auf einen Link
geklickt hat, kaum zumuten, dies schon am Link vorab zu erkennen. Sollte
der Sound legal vom Site-Betreiber vertrieben werden, dann kann es kaum
illegal sein ihn in einer Datei zu speichern, denn damit muss ein
Vertreiber rechnen, wenn er ungefragt einen Sound oder ähnliches mediale
Zeugs in einen PC bringt. Schließlich wurde mir die Nutzung durch
Abspielen gestattet und zwar durch eine implizite Willenserklärung, die
durch konkludentes Handeln (der Sound wurde mir sozusagen aufgedrängt)
erfolgte. Etwas anderes als abspielen tue ich mit ihm auch nicht, wenn
er auf der Platte liegt, es sei denn, das Abspeichern wäre als
eigenständige Art der Nutzung zu verstehen. Aber dann wäre schon die
Nutzung eines Browser-Cache für bestimmte Seiten verboten bzw.
erlaubnispflichtig. Die Adressen der nicht zwischenzuspeichernden Seiten
müsste man dann aber schon im Voraus wissen, was kaum zumutbar sein dürfte.
Ich denke also, solange ich den Sound nicht selber öffentlich anbiete,
brauche ich keine Abmahnung zu fürchen. Abgesehen davon habe ich noch
keine Linzenzvereinbarung gut erkennbar auf derselbe Seite gelesen
(wohlgemerkt, während der Sound schon abgespielt wird!), die mir das
Abspielen nur gestattet, wenn ich mich vorher mit der Lizenzvereinbarung
einverstanden erkläre (das wäre eine Verletzung des Kausalprinzips).

Aber Du siehst schon, was unsere ehemalige 'Antibürgerministerin'
Zypries mit ihren diversen Körben zur Urheberrechtsreform gegen die
Bürger in Bewegung gebracht hat, und wie sie das Urheberrecht, zumindest
für uns Verbraucher so kompliziert gemacht hat, dass allenthalben
Rechtsunsicherheit herrscht. Das zeigt sich auch daran, dass bei einem
Verdacht der illegalen Nutzung einer Tauschbörse nicht das Prinzip gilt,
dass man dem Verdächtigten seine Schuld nachweisen muss, sondern der
Verdächtigte seine Unschuld beweisen muss (Beweislastumkehr). Es reicht
schon der Anschein, man habe illegal urheberrechtliches Material in
einer Tauschbörse angeboten. Deshalb wird einem von verschiedenen Seiten
sogar geraten, Unterlassungserklärungen zu unterschreiben und die
Abmahngebühren zu bezahlen, auch wenn man am fraglichen Tag des
Downloads nicht zu Hause war. Absurd, gell?

Deshhalb gilt für mich: Finger weg von Tauschbörsen - das ist es ja
genau, was die Rechteverwerter wollen.
Trotzdem sehe ich nicht ein, warum man Sounds oder ähnliches nicht mehr
sichern oder an private Bekannte (wörtlich zu nehmen) weitergeben dürfen
soll. Schließlich gibt es immer noch pauschale Urheberrechtsabgaben auf
alle Geräte, die geeignet sind urheberrechtlich geschütztes Material zu
vervielfältigen. Den PC zähle ich übrigens nicht dazu, denn es gibt auch
festplatten- und brennerlose PCs (Terminals). Warum keine pauschale
Urheberrechtsabgabe nur auf physische Speichermedien vom Papier über
Festplatten und CD-Rs bis zu USB-Sticks und zum MP3-Player? Die
PC-Hardware ohne Speichermedien kann nichts vervielfältigen, höchstens
anzeigen (Texte) oder abspielen (Videos und Sounds).
Ganz einfach: die Verwertungsindustrie will mehrfach abkassieren, am
besten pauschal und von jedem (sichere Einnahmen), aber natürlich nicht
mehr dieselben Rechte gewähren, wie früher (Privatkopie, private
Weitergabe). Daran wird sich mit der jetzigen Bunderegierung auch nichts
ändern, eher verschlimmern, besonders wenn man die massive
Klientelpolitik der FDP bedenkt.

SCNR, und musste auch mal gesagt werden ;-)

Tom
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