Mailinglist Archive: opensuse-de (1212 mails)

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Re: OT: Literatur für Anfänger
  • From: Martin Blank <blankmrty@xxxxxx>
  • Date: Wed, 11 Jun 2008 16:23:28 +0200
  • Message-id: <484FDFE0.20803@xxxxxx>
Torsten Foertsch wrote:
On Wed 11 Jun 2008, Martin Blank wrote:
Meine Mutter hat bisher immer einen weiten Bogen um alle Computer
gemacht. Nun beschäftigen sich einige ihrer Bekannte damit und sich so
begeistert, dass auch bei ihr die Angst vor der Maschine gaaanz langsam
kleiner wird.

Da hast Du Dir ganz schön was vorgenommen! Ich kann Dir keinen Tipp bzgl. Buch geben, aber ich kann Dir meine Erfahrung mit den Eltern berichten.

Also mein Vater begann zu Zeiten von Suse 9.0 mit Linux im Alter von ca. 65. Er war in seinem Berufsleben Rechenzentrumsleiter in einem größeren DDR-Kombinat. Dort standen viele Nachbauten von IBM Großrechnern mit dem entsprechenden Betriebssystem rum. Also keine Ähnlichkeit zu UNIX, DOS oder Windows. Konzepte wie Fenster, verschachtelte Verzeichnisse oder so waren neu.

Eine weitere Schwierigkeit bestand in der geographischen Entfernung. Ich kann nicht eben mal vorbeigehen, um irgendwas zu reparieren. Trotzdem per SSH oder im allergrößten Notfall per VNC über SSH kann man schon einiges tun.

Also nach der Erstinstallation habe ich mir 3 Wochen Zeit genommen, um dem Vater eine Einleitung zu geben, nicht Vollzeit, immer nur ein paar kleine Häppchen pro Tag.

Im Jahr danach rief er mich fast immer an, wenn er seinen Computer anschaltete. Irgendwas hatte er immer vergessen. Es war schrecklich:

Ich: "Am unteren Rand des Bildschirms ist eine Leiste. Dort siehst Du links einen Knopf mit einem Haus drauf. Drück da mal drauf!"
Er: "Ich seh kein Haus. Wo soll das sein?"
Ich: "Am unteren Rand"
Er: "Da ist kein Haus"
Ich: "Wo guckst Du?"
Er: "Na am unteren Rand"
Ich: "Auf dem Bildschirm?"
Er: "Nein, auf der Tastatur"
Ich: "Aha, ich meine aber den Bildschirm"
Er: "Ah! Jetzt habe ich es gefunden"

und so weiter. (Der Begriff "Knopf" hatte ihn verwirrt und automatisch auf die Tastatur geschickt.)

Aber er lernte. Mit der Zeit wurden seine Fragen immer anspruchsvoller und bezogen sich mehr auf die Tools, hauptsächlich OpenOffice, gimp und Mail.

Heute fragt er kaum noch. Eine neue Suse-Version meistert er ohne Probleme. Sieht zwar alles ein bissel anders aus, aber das Prinzip ist das gleiche. Jedoch jedes Mal, wenn ich komme, hat er eine Liste mit Fragen und Wünschen vorbereitet. Das finde ich echt gut.

Einmal gab es ein größeres Problem, das ich nicht remote lösen konnte. Das reiserfs sagte, die Platte wäre kaputt. Vater hatte den Strom ausgeschaltet. Da musste der Computer halt warten, bis ich wieder mal vorbei kam.

Das Einzige, wozu ich ihn noch nicht gebracht habe, ist, in einer Mailingliste nach Rat zu fragen.
Das klingt in der Tat beängstigend. Aber du klingst auch glücklich und sehr stolz auf deinen Vater. Danke für die Aufmunterung!

Und das mit der Mailingliste: Vielleicht geniest er es, mit dir zu "fachsimpeln".

Martin

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