Mailinglist Archive: opensuse-de (4172 mails)

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Re: OT: DRM
  • From: Joerg Rossdeutscher <ratti@xxxxxxxxxxx>
  • Date: Thu, 04 Dec 2003 09:24:37 +0100
  • Message-id: <1070526277.766.24.camel@xxxxxxxxxxx>
Moin,

Am Mi, den 03.12.2003 schrieb Harald Huthmann um 23:40:
> Am Mittwoch, 3. Dezember 2003 22:10 schrieb Joerg Rossdeutscher:
> > Am Di, den 02.12.2003 schrieb Harald Huthmann um 23:48:

> > > Da kann ich keinen Unterschied zu damals entdecken. Auf jede gekaufte LP
> > > kamen mindestens zehn gezogene Kopien auf Kassetten. Die Qualität war
> > > sicher bescheiden aber mich hat das trotzdem nicht bewogen mir die
> > > entsprechende LP zu kaufen.
> >
> > Und nach der dritten Kopie war einfach Schluß. Heute reicht eine einzige
> > Person, die bei der Vor-Premiere einen Film heimlich mitschneidet, und
> > 12 Stunden später liegt er weltweit in Kazaa - und nicht bloß die Kopie,
>
> ... diese Kopie ist Schrott, abgefilmt von der Leinwand verwackelt und mit
> bescheidenem Ton versehen...

Unerheblich - ob das Ding nun wackelt oder nicht, es gibt /sehr/ viele
Menschen, die sich das verwackelte Ding für Lau angucken, statt im Kino
ihre 10 EUR zu zahlen. Was sie getan hätten, gäbe es das Wackelding aus
Kazaa nicht.
Die 10 EUR gehen den Vermarktern verloren. Das ist m.E. nicht OK.

> > sondern auch die Kopie der Kopie der Kopie der... in Originalqualität.
> > Und ohne, daß der Empfänger dein Kumpel sein muß, dein Arbeitskollege
> > oder dein Bruder. Das geht direkt von sagenwirmal Malaysia nach Bad
> > Mückenteich. Das ist der Unterschied.
>
> Kino -> Fernsehen -> Kassette(DVD).Das hatte Erfolg, das hat sie reich
> gemacht! Allerdings hat diese Vermarktungstrategie so ein paar Nachteile. So
> kann man einen Film der im Kino durchgefallen ist, kaum noch im Fernsehen und
> weiter als Kassette(DVD) vermarkten. Daher versuchen sie jetzt eine Art
> Paralellvermarktung

Was ihr gutes Recht ist. Jeder kann für sein Produkt die Vermarktung
aussuchen, die er für richtig hält. Wenn jemand meint, er müsse
unbedingt einen Kondomverleih betreiben...

Wie gesagt, hier würde ich deutlich unterscheiden zwischen Werken des
öffentlichen Interesses (Stadtplan, Klassiker) und reinem
Unterhaltungsmaterial. Sagenwirmal in der Art, daß die Sozialhilfe
Zugang zur Tagesschau garantiert, nicht aber den Besitz von PayTV.

> > > > b) ziemlich neu ist, daß man diese Vervielfältigung inzwischen wieder
> > > > unterbinden kann, und zwar technisch (Kopierschutz, TCPA), juristisch
> > > > (Neuregelung der Gesetze vor kurzem) und praktisch (Die Polizei kriegt
> > > > auch so langsam mal Rechner mit Internetanschluß)
> > >
> > > Also so neu ist das nicht. "Sie" hätten jeder Zeit die Möglichkeit gehabt
> > > (technisch) diese Werke auf einem Medium zu veröffentlichen welches
> > > "ihnen" die entgangenen Rechte weitestgehend schützt. Dazu braucht es
> > > kein TCPA noch obskure Kopierschutztechniken.
> >
> > Ich bin kein Freund von TCPA. De facto ist es den Medienunternehmen aber
> > bis heute nicht gelungen, ihre Werke schützen zu können. Es gab immer
>
> Die Medienunternehmen werden nicht gerade gezwungen ihre Werke auf
> Medien zu veröffentlichen, welche eben geeignet sind leicht kopiert werden zu
> können. Wenn sie es tun, so müssen sie diesen Umstand einfach in kauf
> nehmen!.

Dann nenn' mir doch bitte eine Methode, Medien effektiv zu schützen.
Selbst Software wie QuarkXpress, wo ein Teil des Programms codiert in
einem Dongle liegt, sind bereits vor offiziellem Verkaufsstart stabil
gecrackt im Netz. Und Software wie Cubase, die tatsächlich einen
relativ(!) effektiven Kopierschutz hat, läuft dann teilweise nicht mehr
beim ehrlichen Kunden.

Es ist ja gut, daß die Diskussion die Rechte von uns Verbrauchern beim
Namen nennt - aber man muß doch irgendwo auf dem Teppich bleiben und
dafür sorgen, daß Medien "im Allgemeinen" bezahlt werden. Um mal die
Beispiele von oben aufzunehmen: Daß von 110 Exemplaren eines Textes, die
sich im Umlauf befinden, 100 Stück gekauft wurden, und, sei's drum, die
restlichen 10 dann eben von ganz armen Schluckern auf dem Fotokopierer
der Uni vervielfältigt. Ggf. sogar nur Kapitelweise. Geschenkt.

Die SItuation vor der Gesetzesänderung war so, daß nur noch ein
Bruchteil der im Umlauf befindlichen Medien auch durch Kauf erlangt
wurden, und das geht nunmal so nicht. Da kann man dies und jenes und
anderes anführen - aber letzlich will doch jeder von uns, so er eine
Arbeit hat, vernünftig bezahlt werden. 1 kaufen, 10 so mitnehmen geht
nirgendwo.

>
> > Auf der anderen Seite denke ich, daß die "Privatkopie im
> > Freundeskreis" ein Kind des analogen Zeitalters war und zu recht
> > abgeschafft wurde.
>
> Nö, der "Freundeskreis" ist immer noch aktiv. Du kannst die Rechtmaßigkeit
> einer Kopie doch nicht davon abhängig machen wie sie zustande gekommen ist,
> bzw in welcher Qualität sie erfolgt ist.

Eben doch! Die Digitalkopie ist die technische Grundlage für
lawinenartige Vermehrung der Kopien. Die Analogkopie setzt dem ganzen
eine natürliche Grenze.

> > > > Die Restriktionen waren früher anderer Natur. Es war entweder sinnlos,
> > > > ein ganzes Buch über den Photokopierer zu jagen, oder es war spätestens
> > > > in der dritten Kopie für die Tonne.
>
> > In der Praxis war das einfach irrelevant, Bücher sind "praktisch"
> > unkopierbar.
>
> Ich kopiere mir noch heute relevante Teile aus Fachbüchern (zum leichteren
> Nachschlagen)

Das tun wir wohl alle. Es kommt auch nicht drauf an, "ob" oder "ob
nicht", sondern "Wieviel".


> > > > Gutes Beispiel. Meine Schulbücher mußte ich auch kaufen - und wenn
> > > > meine Freundin und ich in unserer gemeinsamen Wohnung nur ein Lexikon
> > > > hätten, müssten wir dauernd in das Arbeitszimmer des anderen rennen,
> > > > weil die Nutzung durch die physische Präsenz des Buches eingeschränkt
> > > > ist.
> > >
> > > Ich bin mir nicht sicher was Du damit sagen willst. Soll man Schulbücher
> > > besser kaufen müssen?-Oder hättest Du das(die) Bücher besser kopieren
> > > sollen?
> >
> > Ich möchte damit sagen, daß ich meine Schulbücher gekauft habe und nciht
> > aus dem Internet downgeloadet, und daß 30 Schüler 30 Schulbücher gekauft
> > haben, nicht eins und dann fotokopiert.
>
> Ich habe mir keine Schulbücher kaufen müssen. Damals gab es
> Lehrmittelfreiheit. Weitergehende Literatur konnte ich mir aus öffenlichen
> Bibliotheken besorgen und mir wesentlich erscheinende Teile davon kopieren...
> (Ja, ich habe mir auch Bücher gekauft, die prinzipielle Möglichkeit sie nicht
> zu kaufen bestand allerdings)

Tja, ich bin im (damals, und inzwischen schon wieder) CDU-regierten
Bundesland Niedersachsen aufgewachsen, da gab es keine
Lehrmittelfreiheit. Da denke ich immer dran, wenn Leute sagen, alle
Parteien seien gleich... egal, das ist jetzt nicht Thema.

Ich gehe mal davon aus, daß du dir vieles kopiert hast, aber, aus
praktischen Erwägungen, wohl noch mehr gekauft. Das heisst: So hat es
für alle funktioniert.

> > > Hm, interessant. Wenn ich eine Webseite in Auftrag gebe verlange ich
> > > natürlich als Ergebnis die Sourcen.Mit denen kann ich machen was ich
> > > will.Es gibt nicht die Zusicherung für einen zweiten Kauf automatisch.
> >
> > Natürlich. Aber du wirst nicht wollen, daß jemand von deiner Arbeit eine
> > unautorisierte Kopie macht. Du hast viel Geld für deinen Auftritt
> > bezahlt, und nun sieht jede Gemüseladensite genauso aus wie deine - das
> > würdest du auch nicht wollen.
>
> Du spricht damit das Aussehen, also das Layout deiner Webseite an. Es lässt
> sich meiner Meinung nach nicht schützen. Wenn Du es veröffentlicht musst Du
> (und eine Kunden) damit rechnen das andere es auch benutzten. Darin liegt der
> Sinn einer Veröffentlichung.

"Schützen" im Sinne von: Nicht weitergeben. Dann müsstest du es
nachprogrammieren - aber wenn du das machst, hast du nix gespart und
kannst gleich deine eigene Site bauen.

"Veröffentlicht" wird ja nur html und javascript, das sich leider nicht
schützen lässt (Es sei denn, man macht sich Ärger mit Scramblern.
Naja.). Der PHP-code oder die MySQL-Datenbank dahinter ist für dich
nicht greifbar.


> >Content muß geschützt werden. (Auch wenn
> > du als Käufer das vermutlich in diesem Fall dringlicher willst als ich
> > als Verkäufer).
>
> Damit sprichst du wohl den "Inhalt" an. Es hängt sicher von Diesem ab (ob
> er geschützt werden sollte).Pauschal würde ich auch eher sagen:Nein!.
> Was Du veröffentlicht ist einfach öffenlich, was willst Du da noch schützen?

Na komm, jetzt wird es absurd. In den Medien, inklusive Zeitungen,
Software, Film- und Musikindustrie leben die Leute davon, ihren Kram zu
verkaufen. Nur weil ein Zeitungsartikel öffentlich ist, hast du noch
lange nicht das Recht, dir z.B. aus diversen Zeitungen eine neue
zusammen zu kleben und diese weiter zu verkaufen. Wovon sollten die
Leute denn Leben?

Gruß, Ratti

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