Mailinglist Archive: opensuse-de (4172 mails)

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Re: OT: DRM
  • From: Thorsten Haude <linux@xxxxxxxxxxxxxx>
  • Date: Tue, 2 Dec 2003 22:08:05 +0100
  • Message-id: <20031202210805.GM1273@xxxxxxxxxxxxxxx>
Moin,

* Joerg Rossdeutscher <ratti@xxxxxxxxxxx> [2003-12-02 21:20]:
>Am Di, den 02.12.2003 schrieb Thorsten Haude um 18:16:
>> * Joerg Rossdeutscher <ratti@xxxxxxxxxxx> [2003-11-23 23:44]:
>> >Am So, den 23.11.2003 schrieb Thorsten Haude um 23:05:
>> >> * Joerg Rossdeutscher <ratti@xxxxxxxxxxx> [2003-11-23 22:44]:
>> >> >Hä? Wieso?
>> >
>> >> >Es geht um die Verwaltung von Rechten an einem Produkt, und die
>> >> >Bezeichnung ist nunmal auf Denglisch "Digital Rights Management".
>> >>
>> >> Es geht in erster Linie um die Verwaltung von Restriktionen an einem
>> >> Produkt, nicht von Rechten. Deine Rechte kannst Du auch sehr gut
>> >> wahrnehmen, ohne DRM zu installieren.
>> >
>> >Es ist schon seit langer Zeit (sehr viel länger, als es Computer gibt)
>> >üblicher Sprachgebrauch, zu sagen, jemand hätte "die Rechte an seinem
>> >Werk". Um die Wahrung dieser Rechte geht es, und eben die Rechte des
>> >Autoren, Verlages, Vertreiber. Niemand hat gesagt, es ginge um die
>> >Rechte des Käufers. Die sind (natürlich) eingeschränkt.
>>
>> Die Rechte der Rechteinhaber sind es aber nicht, die von DRM-Systemen
>> gemanaged werden, sonder eben die Restriktionen. Es wird
>> gemanaged, wann und auf welchem Gerät ich die Medien benutzen kann
>> und mit wem ich sie teilen kann, nicht wer eine Übersetzung
>> veröffentlichen oder ein Konzert veranstalten darf.
>
>Das ist aber alles nicht neues und schon immer so gewesen.

DRM ist schon neu, und der Name wird ergo auch neu vergeben.


>Neu ist
>a) naja, nicht mehr ganz so neu, daß man digitale Werke verlustfrei
>kopieren kann. Bei Papier oder Kassetten hat sich das "von selbst"
>geregelt.

Klar. Muß denn jeder Fortschritt gesetzlich verboten werden? Die
technischen Möglichkeiten haben sich nunmal geändert, warum sind die
Medienkonzerne nicht bereit, sich anzupassen?

Musik in Dosen gibt es noch nicht so furchtbar lange, auch vorher
schon waren Musiker in der Lage, ihren Lebensunterhalt mit ihrer Kunst
zu verdienen (oder eben nicht, je nachdem, wie gut sie waren). Warum
aber sollen die Mittelsmänner geschützt werden, die heutzutage
überflüssig sind?


>b) ziemlich neu ist, daß man diese Vervielfältigung inzwischen wieder
>unterbinden kann, und zwar technisch (Kopierschutz, TCPA), juristisch
>(Neuregelung der Gesetze vor kurzem) und praktisch (Die Polizei kriegt
>auch so langsam mal Rechner mit Internetanschluß)

Ich habe einen ganzen Schrank voll DVDs, kann also durchaus
nachvollziehen, daß Künstler bezahlt werden wollen. Die
Schutzmaßnahmen sind leider vollständig dazu bereit zu verhindern, daß
ich meine DVDs unter Linux betrachten kann. Mache ich mich nach dem
neuen Urheberrecht strafbar, indem ich MPlayer benutze?


>> Ok, dann solltest Du Dich mal schlau machen, das wird Dich früher oder
>> später auch betreffen. Heute geht es nur um Musik, in zehn Jahren auch
>> um Schulbücher und Lexika.
>
>Gutes Beispiel. Meine Schulbücher mußte ich auch kaufen - und wenn meine
>Freundin und ich in unserer gemeinsamen Wohnung nur ein Lexikon hätten,
>müssten wir dauernd in das Arbeitszimmer des anderen rennen, weil die
>Nutzung durch die physische Präsenz des Buches eingeschränkt ist.

Der Unterschied ist, daß Ihr die Wahl hattet. In ein paar Jahren wirst
Deine Feundin vielleicht Deinen Stadtplan nicht mehr benutzen
*können*, weil er DRM-beschränkt ist.


>> >Ich weiss allerdings, daß, wenn ich einen Stadtplan im Auto haben
>> >will und einen in der Wohnung, daß ich dann eben zwei kaufen muß.
>>
>> Du kannst auch eine Kopie des Stadtplans anfertigen und ins Auto
>> legen. Die Hersteller der Karten versuchen, Dich von dem Plan
>> abzubringen, indem sie ihr Produkt im Original wertvoller machen als
>> eine Kopie.
>
>Als armer Student habe ich mir mal keinen Stadtplan leisten können und
>habe daher den aus den "Gelben Seiten" zusammengeklebt - glaub mir, du
>willst dir keinen Stadtplan selbst basteln. :-)

Eben. Den Herstellern von Stadtplänen gelingt es also, sich gegen die
kostenlose Konkurrenz zu behaupten. Den Medienkonzernen ist das nicht
möglich, weil sie nichts produktives beizusteuern haben.


>Im Ernst: Ich spreche nicht juristisch, sondern nach meinem
>Rechtsverständnis: Ich finde es nicht richtig, den Stadtplan zu
>kopieren. Wenn du zwei willst, kauf zwei.

Ich will keine zwei Stadtpläne, ich will in der Lage sein, meinen
Stadtplan von der Wohnung ins Auto zu tragen.


>Ich verdiene meine Taler u.a. mit der Erstellung von Websites. Ich hätte
>durchaus was dagegen, wenn irgendjemand unsere Site spiegelt und für
>seine Zwecke umbaut, nur weil sie ja schon einmal bezahlt ist. Uns
>entgeht das Geld für den zweiten Kauf.

Klar. Die Lösung kann aber nicht sein, zB. die Farbe Magenta technisch
schützen zu lassen, damit keine Rechtsverstöße vorkommen. Das liegt
aber durchaus im Bereich des Möglichen, wenn DRMs flächendeckend
eingesetzt werden und die Telekom ihren Willen bekommt.


>> >Du zitierst doch so gerne Tucholsky, dann lies dir mal seine Artikel
>> >durch, die er um 1930 herum geschrieben hat, um das Urheberrecht zu
>> >kritisieren. Der hat vor einem Dreivierteljahrhundert bereits genau
>> >diese Begriffe verwendet.
>>
>> Ich hab's nicht gefunden, hast Du einen Titel?
>
>Ne, ich bin beim Blättern in der fast-komplett-Ausgabe drüber
>gestolpert. Aber mit diesem Thema setzt er sich mehrfach auseinander,
>speziell mit dem Problem, daß Urheberrechte vererbt werden können, und
>daß nach dem Tod von Johann Wolfgang von Goethe eben seine erbende
>Cousine Bertha Metzgermeier-Müller geb. Goethe beliebig
>unveröffentliches Material zusammenstreichen, wegwerfen oder
>zurückhalten kann.

Ok, ich werde mal im Band von 1930 blättern.


>Das ist gut. Dafür gebe ich dann auch zu, daß die derzeitigen Kampagnen
>der Medianunternehmen und die von ihnen genutzte Diktion unter aller Sau
>ist.

Das ist eine natürliche Erweiterung der Definition von Privatkopien
als Raub.


>Aber stimmt: Die gnadenlose technische Inkompetenz unserer
>Volksvertreter in solchen Dingen haben leider dazu geführt, daß eine
>Lobby-Vorlage Gesetz geworden ist.

Darum geht's. Auch Volksvertreter werden durch die Diktion der
Medienkonzerne beeinflußt.


>> >> Der Begriff ist also falsch und politisch eindeutig vorbelastet.
>> >
>> >Nö.
>>
>> Doch.
>
>Ne.

Wohl.


Thorsten
--
A 'No' uttered from deepest conviction is better and greater than a
'Yes' merely uttered to please, or what is worse, to avoid trouble.
- Mahatma Gandhi
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