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Re: GUI ("KlickiBunti") vs. CLI (was: Re: SuSE 8.1 Debian Woody)
  • From: Joerg Rossdeutscher <ratti@xxxxxxxxxxx>
  • Date: Thu, 22 Aug 2002 23:34:28 +0200
  • Message-id: <20020822213428.GG3587@xxxxxxxxxxx>
Moin,

Martin Oehler:
- Photoshop (kommt mir jetzt nicht mit GIMP ;) )

Michael Raab:
Warum nicht? Ich arbeite gerne mit GIMP.

Daß GIMP nunmal kein CMYK kann, ist leider ein Fakt, daß es für
professionelles Arbeiten zu 100% unbrauchbar macht. Darüber braucht
man gar nicht diskutieren.
Gimp ist ein denkbarer Ersatz für ImageReady, also Webkram. Für
Photoshop definitv nicht. Aber:

Was mich an GIMP stört ist, ...nun ja, umschreiben wir es mal so:

Linux-Programmierer sind Weltmeister im Standardisieren.
Es sind schon gewaltige Threads entstanden beim Streit, ob eine Datei
nach /usr oder nach /opt gehört.


Wenn es dann aber um grafische Umsetzung geht, dann wird rumgesaut als
gäb's keine Richtlinien. Und GIMP ist da einer der schlimmsten.

Während Adobe und Macromedia sich im Monatsabstand wechselseitig
verklagen, weil ihre Benutzeroberflächen immer ähnlicher werden, sieht
GIMP so aus wie kein anderes Grafikprogramm weit und breit.

Wie sieht denn professionelles Arbeiten im grafischen Bereich aus?

Jedenfalls ganz anders als zum Beispiel professionelles Networking.
Wenn ich an unseren Servern etwas ändere, dann hole ich mir erstmal
Textmaterial, drucke es aus, setze mich in die Kantine, lese mich
ein, mach das dann in Ruhe,...
Anscheind verallgemeinern viele Programmierer dieses Verhalten
auf andere Arbeitsbereiche.

Ich kann dir versichern, daß die meisten Handbücher der Programme, die
wir gekauft haben, nie geöffnet worden sind. Entweder ist die
Funktionsweise eines Programm direkt ersichtlich, oder es kommt zurück
in den Karton und wird nie wieder verwendet.


Wie sollte man das auch sonst machen? Guck mal:
Ich bekomme eine Word-Datei vom Kunden, die wird in Quark aufgebaut,
die Logos gestalten wir in Freehand. Eine zugelieferte Illustration
im EPS-Format lässt sich oft nicht bearbeiten, die machen wir in
Illustrator auf, dann rüber nach Freehand. Dann müssen die
Pixelbilder in Photoshop gehübscht werden. Der Kunde bekommt ein PDF
zur Ansicht aus Acrobat, für die Präsentation brauchen wir das nochmal
in PowerPoint. Und oft genug möchte der Kunde Dokumente mit
wechselndem Inhalt selber auf dem Laserdrucker ausgeben, und der
Kram wird dann wieder in Word "nachgebaut", so weit das geht.
Also das Programm, mit dem wir angefangen haben. ;-)
Gerne kommt dann noch eine Version in Flash oder Director dazu, eine
Onlinepräsentation in HTML mit php oder perl, vielleicht noch ein paar
Eyecandys in Quicktime,...

So einen Workflow kann man nur bewältigen, wenn die Programme sich
selbst erklären. Ich kann nicht 10 Handbücher lesen und verstehen. Und
da kann ohne weiteres noch "mal eben" eine 3D-Software, eine
Videobearbeitung oder ein Audioprogramm dazukommen, wenn eine
Präsentation multimedial aufgedonnert werden soll.


Ich habe mich in den letzten Tagen im Zuge des Umbaus meiner Website
mit Gimp auseinandergesetzt. Gimp kann irgendwie fast alles, aber
alles liegt woanders als erwartet.
Und deswegen ist es ein schlechtes Programm, weil ein verstecktes
Feature aufs gleiche rausläuft wie ein fehlendes Feature: Ich kann die
gewünschte Operation nicht durchführen.

Nun hab ich keine Wahl. Ich will mir kein Photoshop kaufen und im
Dualboot zwischen Windows und Linux meine PNGs schönrechnen. Also muß
ich halt GIMP nehmen. Aber allein schon bei 4 Fenstern pro Bild kriege
ich Krämpfe. Kein anderes Grafikprogramm macht sowas. Und die
Funktionen im Rechtsklick statt im Menü. Alles ist anders, da erwartet
man eigentlich kontextbezogene Befehle. Waaah!

Ich wünschte mir, die GUI wäre nur halb so streng standardisiert wie
das Filesystem, dann würde manches schneller und besser gehen.

Nun haben wir es hier mit einem kostenlosen Programm zu tun, also will
ich es nicht runterputzen: Dem geschenkten Gaul...

Im professionellen Bereich gelten aber andere Regeln, da gibt man
lieber mal 5000 EUR für ein gefälliges Programm aus, als mit einer
kostenlosen Software zu kämpfen. Und deswegen gucken wir Gimp nicht
mit'm Hintern an: Weil es unbequem ist, und was unbequem ist, dauert
länger, und was länger dauert, kostet im Endeffekt mehr Geld als die
Photoshop-Lizenzen.


- Macromedia Dreamweaver und Konsorten

Muss das sein?

Ein gutes Tool.
Man muß nur wissen, was man damit machen kann und was nicht.


Gruß, Ratti

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