Mailinglist Archive: opensuse-de (7975 mails)

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Re: =?ISO-8859-1?Q? Re:_OT:_Warum_gibt's_dies_und_das_nicht_f= FCr_Linux??= =?ISO-8859-1?Q?_(was:_Linux_A lternative_zu_MS_Projekt_??)?=
  • From: B.Brodesser@xxxxxxxxxxx (Bernd Brodesser)
  • Date: Fri, 12 Apr 2002 08:12:20 +0200
  • Message-id: <20020412061220.GA26582@xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx>
* Johannes Marloth schrieb am 11.Apr.2002:
* Thu, 11 April 2002 Ratti wrote:
Christian Marker:

[Kammquoting händisch berichtigt]

Mal eine ganz andere Frage, auf die ich beim Durchlesen
gekommen bin: Wieso werden eigentlich so selten bewaehrte
Projekte einfach portiert?

Weil noch nix da ist, kommt nix dazu.

Ich erzaehl mal aus meiner Firma:
Wir brauchen
-Photoshop
-QuarkXpress
-Freehand
-Illustrator
-Filemaker
-Office
-Acrobat
-BBedit

Solange die nicht _ALLE_ portiert sind, kommt kein Linux ins Haus.

[...] <-- bitte selber lesen ;)

Ja Ratti, es gibt Bereiche, da wird sich Linux nie durchsetzen. Ein
anderer Bereich sind die Hosts. Auch wenn es auch dafür Linux gibt,
[1] so werden auf einem Host doch wohl noch sehr lange ganz andere
Betriebssysteme verwendet werden. Ganz einfach, weil es die
Programme dafür gibt, die auf einem Host benötigt werden und sich
schon Jahrzehnte bewährt haben. Deine Bank wird Dein Konto wohl nie
mit Linux führen, mit Windows aber auch nicht. Wohlgemerkt, ich rede
nicht von den Terminals an dem der Mensch von der Bank was eintippt,
daß ist nicht viel anders als Homebanking. Ich rede vom Host, der
irgendwo in Deutschland steht und wo Dein Geld letztendlich
verwaltet wird.

Ich verstehe Dich durchaus, aber warum gleich so abfaellig? Das
klingt ja so, als ob die Linuxgemeinde keine Programme schreibt und
nicht an Portierungen arbeitet. Nur ist es leider so, das
Programmierungen fuer Windoof bezahlt werden (wegen fettem Copyright)
und Linux nicht, da auf open source Basis...
Soweit ich weiss, hat M$ doch sowieso einen Vorsprung, Linux gibt es
seit '91, DOS/Windoof schon seit '83 (ihr koennt mich gerne
korrigieren, aber um die Drehe war der grosse "boom" :), also etliche
Jahre Vorsprung. Wenn du nun aber mal vergleichst, hat man mit
Linux/UNIX in einer kurzen Zeit doch mehr erreicht, als mit Windoof,
oder?

Linus Torvalds hat 1991 seinen Kernel im Internet gestellt, daß ist
richtig. GNU gibt es aber schon einiges länger, seit Anfang der 80er
Jahren und UNIX ist von Thomson und Ritchie schon 1968 entwickelt
worden. UNIX ist somit viel älter als DOS. War aber von Anfang an
ein Multiuser und Multitaskingsystem. DOS ist im Prinzip eine wilde
Mischung aus UNIX und CP/M.

"Eh, der redet immer nur schlecht ueber Windows, es gibt auch Mac
oder OS/2": gibt es schon, wieviele 0.X% nutzen das heute noch?

Eine ganze Menge.

Der Trend geht nunmal in die E-Technologies Schiene, und da kommen
solche Sachen wie MySQL eben besser zum Tragen. Und das selbst ein
W2k AS System nicht an ein gutes Linux rankommt... vielleicht soviel:
man koennte sich streiten :-)
Noch was zu deiner Esthetik: Wozu brauche ich
"klickebuntli"-Programme, wenn ich kurz ein Problem habe, was einfach
nur geloest werden will? Warum soll ich mich da mit V++/VBA
rumschlagen, wenn drei Zeile Perl genuegen? Oder denk' an grep, sed
und awk... das sind "Wolke 7"-Tools, oder?

Es kommt doch ganz darauf an, was man will. Hier wird viel zu sehr
auf den PC geschaut. Im Homebereich ist der PC führend, das ist
klar, auch Windows. Aber es gibt ganz andere Bereiche. Im gesamten
IT-Bereich hat MicroSoft einen Marktanteil von gerade mal 20%. Das
liegt daran, daß Hochprofessionelle Anwendungen eben nicht auf einem
PC stattfinden.

Der Graphikbereich auf dem Mac ist auch ehr ein Randbereich. Wo
richtig Geld verbraten wird, sind Versicherungen und Banken. Da wird
wahnsinnig was an Manpower eingesetzt. Die haben ganz andere
Anforderungen. MySQL ist z.B absolut nicht zu gebrauchen, es kann
noch nicht einmal ein Rollback oder Update by Request. Interessant
an einer Datenbank ist die Kombination von beiden.

Ein Mathematiker oder Physiker, der irgendwelche Partielle
Differentialgleichungen bestimmen will, der braucht Rechenpower,
Rechenpower und noch mal Rechenpower und sonst gar nichts. Dem ist
eine Graphik vollkommen egal, der gibt seine paar Werte an der
Konsole ein, und läßt den Großrechner ein paar Monate rechnen, dann
spuckt er das Ergebnis auf dem Drucker aus. Wird z.B beim Wetter
benötigt, oder bei Klimamodellen, oder in der Raumfahrt, oder...

Banken und Versicherungen, aber nicht nur die, führen Konten, da
kommt es auf Datensicherheit an. Da muß alles stimmen und noch nach
Jahrzehnten nachvollziehbar sein, die haben wieder ganz andere
Anforderungen. Die Masse von Leuten, die bei jeder Gesetzesänderung
umprogrammieren müssen, denen interessiert Graphik kein bißchen. Bei
Versicherungen kommen die Berechnungen der Risiken hinzu.

Lagerhaltung in der Industrie, da wird Graphik auch erst ganz am
Ende gebraucht, wenn überhaupt. Kontoführung haben die auch, auch
interne Kostenstellenberechnungen. Hinzu kommt Rechnergesteuerte
Verfahrenstechnik und natürlich CAD. Letzteres ist zwar auch
graphisch, aber doch ganz was anderes als im Werbebereich.

Alles Bereiche, wo ganz was anderes zählt als im Homebereich. Dies
gilt auch für Rattis Bereich, aber es ist auch nur einer von vielen.
Und nur in wenigen dieser Bereiche wird Linux jemals vordringen.
MicroSoft aber noch viel weniger. Es ist schon witzig, das es Linux
für den S390 gibt.

[1] Ist in der Diskusion noch viel zu wenig beachtet worden. Linux
läuft nicht nur auf dem PC, sondern auch auf viele andere
Architekturen, vom Handheld bis hin zum Großrechner.

Bernd

--
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