Mailinglist Archive: opensuse-de (7486 mails)

< Previous Next >
Re: AW: Und wieder was auf die Schnautze bekommen!
  • From: Matthias Houdek <linux@xxxxxxxxx>
  • Date: Wed, 6 Mar 2002 09:07:56 +0100
  • Message-id: <20020306081521.3ACCACBDB0@xxxxxxxxxxxxxxxxxxx>
Hallo,
muss mich jetzt doch mal aktiv in diesen Thread einmischen ;-)

* Christoph Eckert (Montag, 4. März 2002 22:44):
Am Montag, 4. März 2002 20:46 schrieb Konrad Neitzel:
Nein - nicht für Spezialisten, aber man muss halt doch nach und nach
Wissen aufbauen. Deine Erfahrungen mit Lehrgängen sind irgendwie
mangelhaft - sowas sollte es nicht geben.

Hi,

aus gegebenem Anlaß möchte ich hier den Erstredner unterstützen:

Ich bin vor ca 2 Jahren als Windows-Power-User auf Linux umgestiegen.
Ganz gemächlich zu Beginn, jetzt habe ich kein Wintoys mehr (Klein Billy
sieht das gar nicht gerne, rabäh.. :) ).

Ich habe inzwischen wesentlich mehr Zeit in Linux investiert als jemals
in Windows - und weiß bzw. kann wesentlich weniger.

Das "Können" akzeptiere ich gerne - Windows nimmt einem ja fast alles ab,
da "kann" man natürlich aufanhieb augenscheinlich schon 'ne ganze Menge
(man sollte eher sagen: "Man kriegt es hin")

Das "Wissen" glaube ich nicht (oder du hast 2 Jahre lang immmer wieder nur
eine neue Standard-Installation gemacht). Mal ehrlich und Hand aufs Herz:
Was weißt du denn von Windows (intern). Da ist doch alles verschlossen oder
verschlüsselt. Willst du etwa behaupten, du siehst in der system.dat und in
der user.dat durch? Da lob ich mir aber die *.conf-Dateien unter /etc.

Außerdem hast du unter Linux auf die Systemdaten nur Zugriff als root.
etwas anderes musst du ausdrücklich erlauben. Die Registry unter Windows
kann dir jeder Depp zerschießen (W9x/ME).

An was mag das liegen (eine Spekulation):

- Graphische Oberflächen sind bei der Konfiguration den textbasierten
Systemen überlegen, denn Sie vereinen logisch abgebildete Denkstrukturen
mit einfacher Bedienung durch standardisierte Bedienelemente (Checkboxen,
Radios, Popups) und Dokumentation dort, wo man diese benötigt (Tooltipps,
Hilfe-Schalter oder kontextsensitives Hilfesystem). Mühsames lesen von
Man-Pages entfällt.

Ja, man muss unter Linux schon wissen, was man macht. Dafür weiß man aber
auch, _was_ man gemacht hat ;-)

BTW: Ohne Fleiß kein ... (Mühsames Lesen erleichtert das Verständnis)

ManPages haben den Nachteil, dass man wirklich lange lesen und überlegen
muß, bis man endlich weiß, welche 5 Parameter man jetzt übergeben muß, um
das Ziel zu erreichen. Mein erstes Backup mit TAR war eine Katastrophe -
inzwischen erledige ich das mit einem graphischen CD-Brennprogramm.

Man muss ja nicht Benutzeroberflächen ignorieren, wenn sie einem die Sache
erleichtern. Und wenn die Funtionalität stimmt, warum nicht dabei bleiben?
Ich habe zuerst mein Linux auch mit webmin eingerichtet und administriert.
Inzwischen editiere ich viele Einstellungen lieber direkt in der
Konfigurationsdatei. Ist übersichtlicher und flexibler.

Damit kein falscher EIndruck entsteht: Dank an dieser Stelle für jede
Zeile Man-Page, die ich schon oft habe gut brauchen können, und natürlich
herzlichen Dank an alle GNU-Leute und sonstigen Entwickler von freier
Software.

- Linuxe sind bei weitem heterogener als die Betriebssysteme aus Redmond.
Hat man es hier mit ca. 5 Windosen zu tun, werben in der Linux-Landschaft
zahlreiche Distributoren mit ebenso zahlreichen Versionsnummern um den
wißbegierigen Möchtegernadministrator.

Trotzdem ist Linux IMHO weitgehend identisch. Nur die Tools zur
Administration unterscheiden sich z.T. erheblich. Deshalb habe ich anfangs
auch webmin viel genutzt - es kommt mit so ziehmlich allen Distris gut
zurecht und hat auch eine knappe, aber brauchbare Hilfe dabei. Intern sind
die grundlegenden Scripte und vor allem *.conf-Dateien weitestgehend gleich
aufgebaut.

Zu Windows: Ein Teles-CAPI-Treiber für W95 läuft nicht unter W95 und W-ME,
und unter W-NT/2k braucht man wieder andere (auch mit unterschiedlichem
Funtionsumfang) - sehr homogen ;-)

Wißt Ihr, was ich nach so lange
Linux immer noch nicht kann? Meinem Kumpel eine Linux-Kiste einrichten
und ihm danach Unterstützung zusagen. Denn ich weiß nicht, ob ich seine
Probleme lösen werde können - schon gar nicht über Telephon. Mit einem W*
würde ich das sofort machen können.

Ja, da kann ich sagen: mach mal A-E-G, wenn das nicht reicht, mach 'ne
Neuinstallation.

Unter Linux sag ich ihm, wie er meine Nummer für die Einwahl freigibt und
mach notfalls 'ne lockere Fernadministration via ssh.

- Und weißt Du endlich, wie irgendwas unter Red Hat läuft, dann hast Du
bereits bei einer SuSE ganz schlechte Karten. Einer meiner größten
Kritikpunkte an SuSE: SuSE macht alles ein bischen anders, denn wir sind
in Deutschland, können alles besser und brauchen als Distributor ein paar
Alleinstellungsmerkmale.
Hat man sich endlich nach stundenlanger Recherche im Internet eine
Anleitung besorgt, so versagt man, denn die Anleitung war für Mandrake,
Debian oder SuSE 6.2 und nicht 7.3 - Leider Pech gehabt.
Hier werden FHS und LSB nicht ausreichen. Die Distibutionsvielfalt ist
mit Sicherheit auch ein Grund dafür, dass sich die meisten SW-Häuser mit
Linux immer noch zurückhalten - zum Schaden desselben. Es gibt noch viel
zu tun, und wir helfen mit.

Siehe oben. Vor allem wegen der Admin-Tools.

- Ich habe keinerlei Berührungsängste mit der Konsole - wenn ich weiß,
was ich tippen muß. Und das weiß ich meist nicht, denn ich benötige die
meisten Befehle sehr sehr selten. Schon klar, dass ein Sysadmin mit vi
/etc/irgendwas.conf furchtbar schnell ist - aber nur, weil er jahrelang
mühsam jeden - sorry - Furz lernen durfte.

Ich komme auch von der DOS/Windows-Schiene. Und vi ist auch nicht gerade
meine Stärke (ich erahne, was es alles kann). Aber für /etc/irgendwas.conf
kann man auch den Editor von mc prima nutzen.

Ein Verdienst der Fa. Apple und auch von Klein Billy bleibt unbestritten:
Die haben kapiert, dass auch Durchschnittsanwender, die Ihre täglichen
Arbeiten mit dem Werkzeug Computer erledigen müssen, Computer benutzen
werden. Habt Ihr euch mal angeguckt, wie leicht man sich auf dem Mac
einen Timeserver einrichtet?

Ist bei Suse die Installation eines einzigen Paketes - fertig.
(Vorausgesetzt, der Rechner läuft schon im Netzwerk ;-)

- Viele von euch Linux-Power-Usern wollen ja auch die ganzen
Dumm-KDE-Benutzer gar nicht haben. OK, aber mit welchem Recht versagt Ihr
Leuten wie mir, dass auch ich als Nicht-Informatiker ein freies
Betriebssystem nutzen darf?

Wer macht das?
Willst du Linux als Workstation nutzen oder als Server?

Als Workstation: SuSE-Standard-Installation KDE mit Office sollte
funktionieren. Ggf. noch den Desktop einrichten oder gleich auf einen
andere X-Server umsteigen.

Als Server: Nicht-Informatiker (Def: Alle, die sich mit der Materie nicht
intensiv auseinandersetzen wollen/möchten/können/dürfen/...) sollten die
Finger von Servern lassen. Man unterscheidet ja auch Autofahrer von
KFZ-Mechanikern (wobei das eine das andere nicht ausschließt). Aber ich
würde meine Bremsen auch nicht von meinem Nachbarn reparieren lassen, nur
weil er auch Auto fahren kann ;-).

Server im kommerziellen/öffentlichen Umfeld: Wie oben, nur mit einer
weiteren Einschränkung für den Personenkreis. Das sollten nur noch Leute
tun, die sich bereits intensiv und erfolgreich mit der Materie
auseinandergesetzt haben und bereit sind, dies auch weiterhin zu tun.

Vielen Dank hier meinerseits an die Distributoren, die die inzwischen
wirklich klasse zu handhabenden Installer entwickelt haben, und an die
Leute von KDE, Gnome, und natürlich alle anderen Entwickler, die Ihre
Software frei zur Verfügung stellen, damit breite Bevölkerungsschichten
die Möglichkeit haben, aus Ihrer (selbstverschuldeten) M$-Abhängigkeit zu
entfliehen.

Widersprichst du dir hier nicht selbst? ;-)

- Dank auch an euch in der Liste, die Ihr bereitwillig helft und euer
mühsam aufgebautes Wissen anderen zur Verfügung stellt. Zurecht
befürchtet Ihr, dass morgen euer mühsam aufgebautes Wissen nur noch halb
soviel wert sein wird.

Nana, was soll das denn? Dann wären hier auf der Liste wohl nur noch reine
Newbies unterwegs, wenn jeder befürchten würde, mit der Weitergabe von
Wissen leidet der Wert der eigenen Fähigkeiten/Kenntnisse.

Aber seht mal die guten Seiten: Mehr User = mehr
Software; Einfach zu bedienende Oberflächen = weniger Fragen in der
Liste; ein einfacher einzurichtendes Linux = mehr Zeit für uns alle, uns
mit wichtigeren Dingen zu beschäftigen; Mehr Installationen = mehr Bedarf
an euch geschulten Kräften; Mehr User = mehr Linux-Kompetenz =
Weltherrschaft ;-))) .

Heißen wir Billy? ;-)

Firmen wie SuSE, Leuten wie dem KDE- und Gnome-Team und allen
OSS-Entwicklern verdanken wir alle ziemlich viel.

ACK

Aber dennoch: Ein Linux genausogut nutzen zu können wie ein Windows oder
gar einen Mac (ich hasse Mac, denn der hat keine Shell) - davon sind wir
noch zuweit entfernt. habt Ihr schonmal eine CD auf einem Mac erstellt?

Ja? Erstes ist Übungs- /Gewöhnungssache, das Zweite geht doch mit Linux
prima.

Während wir noch Linux mühsam auf dem Dektop zu etablieren versuchen,
greift M$ schon längst nach den Sternen.

Aber zu welchem Preis (und da meine ich nicht (nur) den Verkaufspreis)?
Es gibt doch immer zwei Grundtendenzen:
Entweder hab ich ein System, das mit einer 0-8-15-Konfiguration überall
läuft (CD rein, Enter, Neustart, Fertig!). Dann muss ich in kauf nehmen,
dass es nicht ideal läuft (Stabilität, Sicherheit), denn es muss einen
riesigen Spagat über das gesamte Hardware- und Anwendungsspectrum machen.
Oder ich passe ein System direkt an die vorhandenen
Bedingungen/Anforderungen an. Das kostet Arbeit, aber es bringt auch
Vorteile.
Irgendwo dazwischen liegt für jeden sein persönliches Ideal.

Gucken wir bitte der Realität ins Auge und lügen uns nicht selbst was in
die Tasche - es gibt noch viel zu tun ;-) !

Das streitet keiner ab.

Und an Thomas: Wenn Du noch nie ein Linux gesehen hast - es ist anders
als unter Windows.
Du mußt lesen lernen. Oder besser: Du muß lernen, Dir Information zu
beschaffen, genau dann wenn Du sie benötigst. Es gibt die Information.
Und wenn Du nicht fündig wirst, so hilft Dir die Liste gerne weiter.
Probiere es aus, das lohnt sich.

ACK!

Für Dich und für uns alle.

Hui, jetzt bin ich aber so richtig in Fahrt gekommen :)) .

Gruß

ce

Ja, das hat man gemerkt. Und das hat mich angesteckt ;-)

--
Mit besten Grüßen / With kind regards
_______________________________________________________________
| Matthias Houdek /// |
| matthias@xxxxxxxxx /// Informatik-Marketing-Schulung |
| ____________________/// |
| *** 16868 Bantikow am See *** Tel.: +49-(0)33979-13932 *** |
'~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~'

< Previous Next >
This Thread