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Re: PC-Welt Update 6.2/Es funktioniert nichts mehr
  • From: ca.becker@xxxxxx (Carsten Becker)
  • Date: Sat Sep 18 12:27:45 1999
  • Message-id: <19990918142745.A1507@xxxxxxxxxxxxxxxxxxxx>



On Fri, Sep 17, 1999 at 12:15:39AM +0200, Moritz Schulte told me:

super, pc-welt ! wenn eure mini-suse *so* schlecht ist, dann macht
euer "linux 6.2" bestimmt einen sehr guten eindruck auf andere user,
die sich linux mal ansehen möchten ! wollt ihr linux fördern, oder
wollt ihr alle davon abschrecken ?

Hi Leute,

ich muss jetzt einfach auch 'mal meinen Senf hierzu abgeben. Frage: Sind
diese Heft-CD's mit Evaluierungs-Versionen wirklich geschickt?

Ich habe hier meine Zweifel. Man stelle sich volgendes Szenario vor:

Ich bin jetzt seit sagen wir 4 Jahren Win-User. Ich habe 23x Win95 und
später dann noch 18x Win98 installiert. Mein Kumpel erzählt mir immer
wie toll doch seine SuSI rennt. Der ist seit SuSI 5.0 dabei und schwärmt
nur von der Stabilität und der Konfigurierbarkeit. Also fange ich an
nachzudenken. "Mensch, überall hört man nur noch Linux. Ich könnts ja
'mal probieren."

Ich tiegere los und kaufe mir die "PC-Insel" (ich will hier niemandem
auf den Fuß treten). Die kostet nur 5.- Hühner und da ist 'ne
Eval-Version von SuSI 6.2 drauf. Und was soll denn da schon schiefgehen.
Schließlich habe ich doch schon Win-Erfahrung und _so_ unterschiedlich
wird das Konzept schon nicht sein.

Ich trabe also nach Hause, kurbel den Rechner an und installiere, ohne
jemals in ein Handbuch o.ä. geguckt zu haben, fröhlich drauf los. "Hä,
was 'n das? Was soll ich mit 'nem Kernel anfangen? Wer ist gpm?
Loopback... nie gehört! Mounten, mounten, mounten... (Wörterbuch
hervorholen, nachschlagen)... aha, einhängen... wen, was, wohin? Ojeh,
sind das aber ein A... voller Pakete. Welches brauche ich denn zum
Surfen?" Und sollte ich dennoch jemals doch zu einem laufenden System
kommen, habe ich mir vielleicht mit lilo den MBR (wie es sich gehört)
überschrieben. Aber leider komme ich jetzt nicht mehr an meine
Win-Partition, da ich den entsprechenden Eintrag in /etc/lilo.conf
vergessen habe ("Da hat mit Sicherheit nichts in Yast gestanden"). Das
merke ich aber erst, nachdem ich mich das erste Mal in SuSI 6.2
eingeloggt habe. "Hä... das sieht ja aus wie DOS. Jetzt habe ich mich so
lange an meinen Desktop gewöhnt." Wenn ich Glück habe, finde ich das
Stichwort X-Server. Dann versuche ich mit sax mein X zum Rennen zu
überreden. "Scheiße. Meine Grafikkarte wird ja gar nicht unterstützt.
Soll ich jetzt etwa nur unter DOS arbeiten?" Ich habe nämlich DOS und
die Linuxkonsole zusammengeschmissen. Alles Schrott.

Am nächsten Tag verklickere ich meinem Kumpel, dass Linux der letzte
Dreck ist. "Ich als alter Hase sollte doch wohl so 'n dusseliges System
zum Laufen bekommen. Mit Win98 ist das alles 'n Klacks. Neue
Peripherie...kein Problem. Treiber installieren. Läuft. Und wenns schief
geht, na und? Dann installiere ich eben alles nochmal neu. Wo ist das
Problem?"

Auf das Angebot von meinem Kumpel, der mir das Ganze 'mal erklären will,
gehe ich aus Höflichkeit ein. Aber jetzt erzählt der mir 'was von man
pages, info files und HowTo's. Spinnt der denn? Unter Win brauchte ich
_nie_ auch nur _eine_ Seite zu lesen. Und es lief alles trotzdem. Soll
er doch seinen Schrott behalten. Linux... so'n Quatsch.

Hier ist das Horrorszenario jetzt zu Ende. Und um gleich allen
Missverständnissen vorzubeugen: Ich _liebe_ Linux! Und ich danke Gott,
dass mein erstes CAD-System, mit dem ich arbeiten durfte, unter AIX
lief. ;-) Sonst wäre ich wohl heute noch bei Win.

Aber: Klar, wir freuen uns alle, wenn wir das komplette KDE nicht aus
dem INet ziehen müssen, sondern es auf einer CD dabei ist, die wir
ohnehin aboniert haben. Uns macht es auch nichts aus, die Sourcen selbst
zu kompilieren. Vielen ist das hier sogar lieber. Nur dem armen DAU dort
oben nützt das gar nichts. Der hat keine Ahnung. Er will sich alles _nur
'mal anschauen_! Und jetzt hat er ein System, das völlig im Eimer ist.

IMHO wäre es viel sinnvoller, wenn die diversen Fachzeitschriften
_keine_ CD's mit Linux mehr mitgeben würden. Durchaus sollen sie die
Vor- und Nachteile abwägen. Sie sollen _viel_ und _häufig_ über Linux
schreiben. Aber bitteschön mit dem Hinweis auf eine richtige
Distribution _mit_ Handbuch und mit einer Tabelle, in der einführende
literatur zum Thema Linux aufgeführt ist (a la "Linux für Dummies",
"Jetzt lerne ich Linux", o.ä.). Man sollte schrittweise und langsam an
Linux herangeführt werden und nicht mit beiden Beinen ins kalte Wasser
springen.

Aber darauf darf man wohl nicht hoffen. Denn der eigene Trieb der
Verlage ist ja nicht, Linux zu etablieren, sondern Zeitschriften zu
verkaufen. Mit welchen Mitteln auch immer.

Gruß

Carsten

P.S.: Sorry, dass die Mail so lang geworden ist. Aber das wollte ich
schon immer 'mal loswerden!

P.P.S.: Das oben ist _alles_ IMHO!


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"Etwas nicht tun zu können, ist kein Grund, es nicht zu tun."
Gordon "Alf" Shummway

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