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Re: Linux um Unternehmen (und in Schulen)
- From: eschwenk@xxxxxx (Erhard Schwenk)
- Date: Sat Jun 12 11:31:24 1999
- Message-id: <XFMail.990612133124.eschwenk@xxxxxx>
On 11-Jun-99 Bernd Brodesser wrote:
Hallo Erhard,
Deine Ausführungen zu Programmdesign, denen ich zustimme, in Ehren,
aber hier liegst Du falsch. Du kannst doch nicht ernsthaft von
Schüler, das Erstellen von Struktogrammen verlangen, bevor sie zum
ersten mal programmiert haben.
Wozu? Die Leute sollen lernen, Software zu entwickeln und nicht wild
herumzuhacken. Schau in eine beliebige gute Hochschule mit Informatik-Vorlesung,
da wird das genau so gemacht. Übrigens auch sehr erfolgreich von vielen
Lehrern. Erst kommen die Problemlösungsgedanken - und ganz am Ende steht die
Programmierung.
Das Problem in der Schule ist nur, daß schon die Lehrer von dem, was vor dem
Codieren kommt, sehr wenig Ahnung haben. Entsprechend kurz fällt dann auch
dieser Teil des Kurses aus :-(.
Normal ist doch, zuerst einmal wild rumprogrammieren, die Schüler
gegen die Wand laufen lassen, und dann sagen, "jetzt machen wir es
richtig!" Mit Struktogrammen. Sonst wird der Schüler das Struktogramm
nur als Willkür empfinden. Der Schüler sollte die Notwendigkeit eines
Struktogramms selber erfahren.
Nein. Der Schüler muß erfahren, daß die eigentliche Entwicklungsarbeit im
Struktogramm steckt und das Programmieren hinterher eine ziemlich stupide
Nebensache ist. Bring den Schülern eine gezielte, professionelle
Herangehensweise an Probleme bei. Sie vorher "gegen die Wand laufen zu lassen"
ist völlig unnötig, denn das sehen sie hinterher ohnehin ein, wenn sie das
Struktogramm verstanden haben. Meine Erfahrung als Dozent (auch sowas mach ich
hin und wieder) ist eher, daß die Leute, die gleich mit Struktogrammen
anfangen, hinterher gar nie auf die Idee kommen, Spaghetti-Code zu produzieren.
Autofahren lernt man ja auch nicht, indem man erstmal das Fahrschulauto an nen
Baum setzt, oder?
Übrigens: Gerade zum "gegen-die-wand-laufenlassen" ist Basic natürlich bestens
geeignet, aber auch das geht in jeder anderen Sprache. Man muß nur die
richtigen Probleme stellen.
Automaten und über jede Menge Mathematik gesprochen. Das sind die
wesentlichen
Inhalte. Programmieren oder Programmiersprachen sind nebensächlich und
kommen
nur am Rande in praktischen Beispielen vor. Ach ja - je nach Richtung ist
auch
noch eine ganze Menge E-Technik dabei.
Was ist mit der Touringmaschine? ;-)
Die fällt unter die Automatentheorie. Zumindest im weiteren Sinne.
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Erhard Schwenk - alias Bitrunner =)B==o)
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