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Re: Linux in Unternehmen
- From: marten@xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx (Marten Feldtmann)
- Date: Wed Jun 09 10:42:13 1999
- Message-id: <375E4505.F0F416CB@xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx>
Christian Kupka schrieb:
Wie ist die Akzeptanz, wenn zB. MS_Office von StarOffice abgelöst wird, der
IE4
durch Netscape (dann noch in englisch) und so weiter. Die anderen
Applikationen
Speditionsprogramme, Tanksäulen-Abfragen, KFZ-Werkstattprogramme (also relativ
spezielle Lösungen) müßten speziell an Unix/Linux angepaßt werden.
Also Anwendungen die unter DOS 3.3 !, DOS 6 , WIN(16Bit) WINNT laufen.
Zu solchen Themen wünschte ich mir doch Erfahrungsberichte von den Profis der
Liste die in Firmen Linux-Systeme einrichten/warten/betreuen.
Ich moechte hier kurz mal unsere Erfahrungen in dieser Richtung
schildern ... praktisch aus dem taeglichen Leben heraus.
Meine Erfahrung hierbei ist, dass die *Umstellung* von MS orientierte
Loesungen auf allgemeinere Loesungen ein sehr schwieriger Vorgang ist.
Extrem schwierig, wenn in der Firma kein EDV-Verwalter ist, der auch
mitzieht.
Die Umstellung kann in einzelnen Faellen nur ueber einen Zeitraum von
mehreren Jahren geschehen - oftmals nicht einmal komplett.
In dem mittelständischen Unternehmen (100 Mitarbeiter) wurde zuerst
einmal das Problem mit den Dokumentenformaten der MS-Office angegangen.
Alle neuen Computer bekommen StarOffice 5.0 aufgespielt, nachdem
gezeigt werden konnte, dass die Importfilter ausreichend funktionieren.
Aber um eines klar zu machen: StarDivision ist kein Engel. Meiner
Meinung nach ist StarOffice aber nicht unbedingt die Loesung, weil
auch hier StarDivision maechtig abzockt. Fuer Firmen ist StarOffice
jedenfalls teuer - vor allem, wenn man die neuen Updates mitmachen
will und gerade bei den Import-/Exportfiltern fuer Windows-Word/Excel
ist das Pflicht. StarDivision ist in meinen Augen inzwischen auf dem
gleichen Geschaeftsmodell angelangt wie Microsoft: Updates, Updates
- aber keine langfristige Produktplanung. Wo bekomme ich z.B. die
Service-Paks fuer alte SO 4 Suiten ? Warum werden diese Produkte nicht
mehr gepflegt ... und wo ist die Offenlegung des Dateiformates ??
Als Alternativen kann man noch WordPerfect ansehen - Applixware eher
nur fuer die Freaks .... obwohl ich es selber benutze.
Die Loesung darf also auf keine Faelle von der einen Abhaengigkeit in
eine andere fuehren - also musste noch mehr gemacht werden. Eines ist
auch klar: die Loesung muss funktionieren und darf keine Freak-Loesung
sein.
Das mittelstaendische Unternehmen genehmigte die Einfuehrung eines
eigenes Dokumentenarchives, fuer das eine SO Anbindung (simpel)
geschrieben wurde. Diese Anbindung steuert SO in der Art, daß bei
einer Archivierung das Dokument in mehreren Formaten erzeugt wird
und abgelegt wird (also z.B. .sdw5, .sdw4, .ps und .pdf).
Vor allem das Postscriptformat ermoeglicht auch einen MS unabhängigen
Ausdruck der Dokumente von Serversystemen aus.
Hiermit wird langfristig geplant unabhängig von unveröffentlichten
Dokumentenformaten zu sein. Alle Arbeitsstationen bekommen den
Acrobat-Viewer und Ghostview aufgespielt.
Auch hier gibt es Kostentreiber: Adobe mit dem Destiller (zwecks
Erzeugung der PDF-Dateien) und die "offiziellen" Lizenzmodelle des
Ghostscript-Herstellers. Letzteres fuehrt dazu, dass wir Ghostscript
niemals mit unseren Produkten mitgeben koennen und der Kunde sich
Ghostview immer selber runterladen muss - ansonsten sind Lizenz
gebuehren faellig, die praktisch jedes geringe Produktgeschaeft
ausschliesst. Natuerlich haetten wir gerne gesehen, dass wir
Ghostview/Ghostscript mit unserem Produkt ausliefern, aber das
haette uns pro Arbeitsplatz zwischen 500.- DM und 1000.- DM
am Anfang gekostet ... also muss ein anderes Geschaeftsmodell
benutzt werden.
Die PDF-Erzeugung wird also nur auf einigen wenigen Arbeitsstationen
installiert.
Das eigentliche Dokumentenarchiv wurde unter Linux (SuSE 5.2) mit
der Adabas-D realisiert. Der zentrale PrintServer ist eine Anwendung
unter Linux.
Fuer alle wichtigen Drucker gab es eine Anweisung, dass sie
sowohl ueber SMB wie auch ueber TCP/IP erreichbr sein muessen.
Einige Drucker erhielten eigene Printserver gestellt.
Der Ausdruck der Dokumente ueber den PrintServer geschieht generell
ueber das TCP/IP-basierende Drucksystem unter Linux.
Die Anbindung ueber E-Mail/News/Internet wurde zuerst ueber den
Outlook (?)-Kram von Microsoft gemacht, aber schon nach kurzer
Zeit weggeworfen. Stattdessen wurde ein eigenstaendiges System
von ExtendedSystems gekauft, die alles dieses realisierte. Dieses
System laeuft auf Basis von Linux.
Dabei zeigte sich, das der IE4 definitiv E-Mails verlor und es
wurde eine Anweisung herausgegeben, den IE4 durch Netscape
zu ersetzen. Hiermit war ein weiterer Punkt Unabhängigkeit
erreicht.
Hier kann natuerlich die Frage aufkommen, warum benutzt man nicht
die SO5 als WWW-Browser ? Recht einfach: die Abhängigkeit von
SO5 sollte nicht noch weiter gesteigert werden und eine
Textverarbeitung sollte Texte bearbeiten koennen und nicht alle
weiteren denkbaren Faelle ...
Als CAD-Software diente eine Software, die unter NT, HPUX und
auch unter Linux zur Verfuegung steht. Auch wenn die Linux
Version wesentlich schneller war als die NT-Version, entschied
sich die Abteilung erst einmal fuer die NT-Version. Aber
im Prinzip haben wir hier noch Moeglichkeiten von NT nach
Linux zu wechseln.
Als Komprimierungssoftware wird statt winzip nun das frei
zugaengliche tar.exe und gzip.exe benutzt.
Bleiben andere Probleme, die kaum zu loesen sind bzw. einen
enormen Aufwand benoetigen:
a) FAX-Server-Software, die unter Novell-Netware laufen und
kaum anzusteuern sind.
b) Steuerungssoftware der Telefonanlage, die es *nur* unter
Windows gibt.
c) Spezielle Statikprogramme, die es inzwischen nur noch
unter Windows'95/NT gibt und durch nichts ersetzt werden
koennen.
d) Spezielle Druckergeraete (z.B. Laserjet 3100 von HP), die
weder ordentlicher PCL-Drucker sind und so speziell an
Windows angepasst sind, dass es ein Verbrechen ist, so
etwas zu kaufen. Aber dafuer kann das Teil drucken, faxen
und scannen und zwar in einer wirklich sehr guten
Geschwindigkeit !
e) Softwareprodukte, die ueber Dongle gesichert sind und
erhebliche Probleme machen (sogar unter Windows).
Als Fazit kann man nur sagen, dass der Aufwand enorm ist und
sich nur langfristig rentieren kann/wird.
Das nur als Eindruck !
Marten
--
Um aus der Liste ausgetragen zu werden, eine Mail an majordomo@xxxxxxxx
schicken, mit dem Text: unsubscribe suse-linux
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